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Offener Brief von Vorstandsmitglied Stefan Ruzowitzky an die Politik
Vorstandsmitglied des Verbands Filmregie Österreich

30.01 2008

 

 

Ich möchte nach der großartigen Hysterie der vergangenen Tage auf diesem Wege nochmals
allen danken, die sich über die Nominierung der „Fälscher“ mit uns gefreut haben bzw. so
erfolgreich die Daumen drückten!


Bei allem Jubel sollte man aber nicht vergessen: Der internationale Erfolg von „Die Fälscher“
ist kein singuläres Zufallsprodukt, sondern Ergebnis einer langjährigen Aufbauarbeit durch
österreichische Filmförderungseinrichtungen sowie Ausdruck des hohen Niveaus, auf der sich
die heimische Produktion befindet - wie all die Palmen, Bären, Tiger und Löwen der letzten
Jahre beweisen.


Auch meine persönliche Karriere ist, angefangen mit „Tempo“ und „Siebtelbauern“ immer
wieder in Österreich gefördert worden.
Diese kontinuierliche Unterstützung Einzelner bzw. der österreichischen Filmbranche
insgesamt droht jetzt abzureißen - das Erfolgsprodukt österreichischer Film wird
ausgehungert:


Die wichtigsten Filmförderungseinrichtungen müssen dringend valorisiert werden (was bei
der Wiener Filmförderung seit 8 Jahren nicht passiert ist) bzw. auf europäisches Niveau
angehoben werden (dem 12 Mio. Euro Budget des ÖFI stehen z.B. 60 Mio. Euro der
vergleichbaren dänischen Organisation gegenüber);
Der ORF, bisher unentbehrliches Arbeitsfeld für Filmschaffende in der Fernsehproduktion
und Partner der Kinofilmförderung, kämpft mit Unterfinanzierung. Die fiktionale Produktion
ist von Kürzungen bedroht, die Kinoförderung des ORF seit Jahren eingefroren;
Für anderswo erfolgreich eingeführte Maßnahmen wie Content-Abgabe oder Schaffung von
Steuermodellen, die privates Sponsoring ermöglichen, finden sich keine politischen
Mehrheiten.


Die Politik kommt über Lippenbekenntnisse kaum hinaus, obwohl der Druck seitens der
Öffentlichkeit und der Medien, sich für den österreichischen Film einzusetzen, ständig
wächst. Der Erfolg der Edition "Österreichischer Film" zeigt das immense Interesse des
Publikums für österreichische Filme.


Wie wichtig wäre es, nicht nur Erfolge wie „Die Fälscher“ zu feiern, sondern sich gerade jetzt
der Bedeutung der heimischen Filmkultur für Kultur, Wirtschaft und Außenwirkung
Österreichs bewusst zu werden und die Branche dementsprechend finanziell auszustatten.


Ansonsten: weiter Daumen drücken, weiter freuen (egal wie’s ausgeht) und wenn vielleicht
tatsächlich... dann lassen wir’s krachen!


Stefan Ruzowitzky